Keine Gartenabfälle im Wald entsorgen!

Gärtenabfälle stellen Gefahr für die natürliche biologische Vielfalt im Wald dar Grünschnitt-Entsorgung im Wald ist rechtlich illegale Abfallentsorgung

Osnabrück, 06.03.2017: Bald ist es wieder soweit: viele Gartenbesitzer blicken voll Vorfreude der nächsten Gartensaison entgegen und die Gärten werden für den Frühling hergerichtet. Leider ist das auch die Zeit, in der Forstleute Berge von Grünabfällen finden. Zweige, Strünke, Blätter und Rasen-schnitt und was sonst noch alles im Frühjahr bei der Gartenarbeit anfällt, türmen sich am Waldrand, an Wegen und Waldparkplätzen.

„Ich kann ja die Gartenbesitzer verstehen, wenn sie glauben, man füge der Natur keinen Schaden zu, da es sich ja um natürlich abbaubares Material handelt“, so Förster Frank Berstermann, der gemeinsam mit anderen Kollegen die Wälder der Evangelischen Stiftungen Osnabrück betreut. Was nach öffentlicher Kompostierung klingt, ist jedoch kein Kavaliersdelikt. Diese Art der Entsorgung ist illegal, und das aus gutem Grund. Grünschnitt, Gras und Laub gelten als Abfall und dürfen nicht in den Wald gekippt werden. Es drohen sogar hohe Bußgelder.

Aber was ist denn nun so schädlich daran?
Der Wald ist eine gut abgestimmte Lebensgemeinschaft. Mit den Gartenabfällen landen mehr Nährstoffe im Wald und das sensible Gleichgewicht gerät durcheinander. Als Folge vermehren sich stickstoffliebende Pflanzen wie die Brennnessel oder Brombeersträucher und verdrängen die standorttypischen speziell angepassten Arten wie Veilchen oder viele Wiesenblumen. Wo sich Gras- und Strauchschnitt am Waldrand türmen, ersticken sie die anderen Pflanzen und die verrottenden Gartenabfälle belasten Boden und das Grundwasser. „Wildschweine fühlen sich übrigens ganz besonders wohl, wo sie regelmäßig mit Gartenabfällen versorgt werden. Gartenabfälle sind für sie wie Fast Food, da ist der Weg in den nächsten Garten dann nicht mehr weit“, gibt Berstermann zu bedenken.

Gartenabfälle können außerdem Wurzeln, Zwiebeln, Knollen oder Samen von standortfremden oder nicht heimischen Pflanzen enthalten. „Diese Pflanzen, die sogenannten Neophyten können zu einem echten Problem bei uns im Wald werden, wenn sie so konkurrenzstark sind, dass sie sich ausbreiten und alles andere Natürliche verdrängen. Bekannte Beispiele sind der Riesenbärenklau oder das Indische Springkraut, das auch bei uns im Wald häufig die Wegränder säumt“, so der Forstmann.

„In Osnabrück gibt es verschiedene Möglichkeiten, Gartenabfälle zu entsorgen und wir bitten unsere Waldbesucher und -besucherinnen dringend, diese Möglichkeiten zu nutzen und ihren Gartenmüll nicht in unseren Wald zu bringen“, erklärte Frank Berstermann. Nach einer zwei monatigen Winterpause öffnen die 15 Gartenabfallplätze der Stadt Osnabrück ab März wieder ihre Tore:

http://www.osnabrueck.de/fileadmin/eigene_Dateien/Flyer_Wertstoffhoefe_Oeffnungszeiten-ab-2016_web.pdf

Die Evangelischen Stiftungen Osnabrück bewirtschaften Waldflächen mit einer Größe von insgesamt rund 420 Hektar. Die Wälder sind ein wertvoller Teil des Stiftungsvermögens und liegen in der Stadt und im Landkreis Osnabrück sowie im Kreis Steinfurt.

Hintergrundinformationen

Welche Probleme bereitet eine illegale Entsorgung von Gartenabfällen für den Wald?

  • Der Nährstoffhaushalt wird durch Stickstoffeinträge gestört. Infolge der Überdüngung breiten sich Stickstoff liebende Pflanzen wie Brennnesseln oft flächig aus. Anspruchsvollere und konkurrenzschwächere Pflanzen verschwinden dagegen.
  • Gärung und Fäulnisbildung (insbesondere bei Rasenschnitt) führen zur Störung der Mikroorganismen im Boden und somit des natürlichen Nährstoffkreislaufs.
  • Gartenabfälle können Wurzeln, Zwiebeln, Knollen oder Samen von nichtheimischen, konkurrenzstarken Pflanzen enthalten, die sich ausbreiten und unsere heimischen Pflanzen verdrängen können.
  • Durch Gartenabfälle gelangt Nitrat in den Boden, das sich letztlich in unserem Grundwasser wiederfindet. Es schadet der Wasserqualität und damit unserer Gesundheit.
  • Sobald sich an einer Stelle Abfälle befinden, kommt durch Nachahmer immer mehr Unrat dazu. Innerhalb kurzer Zeit befindet sich eine kleine Deponie in Wald.
  • Abfälle müssen, auch wenn sie von Dritten illegal abgelagert wurden, nach Abfallrecht vom Grundeigentümer entfernt und einer ordnungsgemäßen Entsorgung zugeführt werden. Das verursacht Kosten. Handelt es sich um Staats- oder Gemeindewald, sind diese von der öffentlichen Hand zu tragen – also vom Steuerzahler.
  • Die Entsorgung im Wald verstößt gegen umweltrechtliche Vorschriften und stellt zumeist eine bußgeldbewehrte Ordnungswidrigkeit dar.

(Quelle: Bundesamt für Naturschutz 2012)

Neophyten (griech: neo=neu, phyton= Pflanze) nennt man Pflanzenarten, die sich nach der Entdeckung Amerikas in Gebieten angesiedelt haben, in denen sie nicht heimisch sind. Nur etwa 1 bis 2 Prozent der nach Deutschland verbrachten Pflanzenarten konnten sich neben der heimischen Flora behaupten. Einige sind allerdings so konkurrenzstark, dass sie nahezu alles verdrängen und überwuchern, was in ihrer Umgebung wächst.

Diese drei invasiven Neophyten, die heimische Arten verdrängen und schädigen, gelangen besonders häufig durch Gartenabfälle in die Natur.

 

Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum)

  • Kennzeichen: bis 5 m hoch, klauenartige, riesige Blätter, Blütendolden bis 50 cm Durchmesser
  • Ausbreitung: 20 – 30.000 Samen pro dolde, überwuchert heimische Pflanzen
  • Gefahren: enthält Giftstoffe im Pflanzensaft: bei Hautkontakt und Einwirkung von Sonnenlicht stark schmerzende Hautreaktionen
  • Herkunft: Kaukasus

Japanischer Staudenknöterich (Fallopia japonica)

  • Kennzeichen: bis 4,5 m hoch, große ovale Blätter, Blüten weiß
  • Ausbreitung: Überwinterung dank ausgedehntem Wurzelgeflecht (Rhizom), wächst aus 1 cm langen Resten (Wassertransport), auch Samen bei Transport im Wasser drei Tage keimfähig
  • Gefahren: Dickichte überwuchern heimische Pflanzen, Problem für Hochwasserschutz (Rhizom hebelt Uferbefestigung aus, aufwändige Bekämpfung
  • Herkunft: Himalaja

Indisches Springkraut (Impatiens glandulifera)

  • Kennzeichen: bis 3 m hoch, pinkfarbene Blüten, süßlicher Duft, gern an feuchten Standorten
  • Ausbreitung: schleudert bis 4.000 Samen pro Pflanze bis 7 m weit, Samen bis 6 Jahre keimfähig, Ausbreitung durch Wassertransport
  • Gefahren: überwuchert/verdrängt einheimische Arten, bildet Dickichte, Nährstoffeintrag
  • Herkunft: Himalaja

 

Die Bilder können bei Bedarf zur Verfügung gestellt werden. Anfrage an s.roth@ifu-bonn.com
Bildquellen: Landesforsten.RLP.de, Jonathan Fieber
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