„Ich bin wie verzaubert, wenn ich auf die Wiese komme“
Seine Augen leuchten, sobald er von der Streuobstwiese und seiner neuen Aufgabe erzählt. Hanno Kottmeyer, Diplomingenieur für Landschaftspflege und Gartenbau, ist seit dem vergangenen Sommer im Ruhestand – und hat auf der Streuobstwiese im Hörner Bruch sein Herzensthema gefunden.
Nach dem Ende seines Berufslebens war für den engagierten Baumschützer klar: Eine neue Aufgabe darf kommen, aber sie soll Freude machen und Sinn stiften. Die Stiftungen kannte er bereits aus dem diakonischen Umfeld. Also fragte er kurzerhand bei uns nach: „Ihr habt doch so viele Bäume. Kann ich mich bei euch einbringen?“ Wir mussten nicht lange überlegen und freuen uns sehr, dass er im Team ist.
Eine der größten Naturschutzflächen der Region
Die Streuobstwiese im Hörner Bruch gehört zu den größten Naturschutzflächen in der Region Osnabrück. Hier wachsen zahlreiche Obstsorten und auch die tierische Artenvielfalt ist beeindruckend. Mit der Initiative Streuobstwiese, die sich besonders um die Insektenvielfalt kümmert, sowie dem Steinkauzexperten Friedhelm Scheel ist bereits viel Fachwissen vor Ort gebündelt. „Mein Schwerpunkt sind die rund 350 Bäume“, erklärt Hanno Kottmeyer. „Gleichzeitig verstehe ich mich als Schnittstelle zwischen allen Aktivitäten – damit wir gemeinsam an einem Strang ziehen, denn die Pflege der gesamten Wiese ist schon einiges an Arbeit.“
Struktur schaffen, Vielfalt erhalten
Mit großem Engagement ging er zunächst die Bestandsaufnahme an. Per Drohne wurden die Bäume erfasst, gezählt, kartiert und in vier Altersgruppen eingeteilt. Als Nächstes steht die genaue Bestimmung der Obstsorten auf dem Plan – allein rund 40 verschiedene Apfelsorten sind vertreten.
Im Jahreslauf bestimmen klassische Pflegearbeiten den Rhythmus: Mahd, fachgerechter Baumschnitt und schließlich Organisation der Obsternte. Bei der Ernte unterstützten eine Vielzahl unterschiedlicher Gruppen wie Auszubildende aus dem Diakoniewerk und Schülerinnen und Schüler des Ratsgymnasiums. Viele weitere Freiwillige packten mit an und ernteten insgesamt rund 8.800 Kilogramm Äpfel. So wächst nicht nur die Wiese, sondern auch das Netzwerk. Kottmeyer kommt mit vielen Mitstreitern aus dem Stiftungsumfeld zusammen und bringt zugleich eigene Kontakte ein. „Durch die Wiese habe ich so viele nette, kompetente und engagierte Menschen jeden Alters kennengelernt und selbst unglaublich viel dazugelernt: über Käuze und Insekten, von Förstern über Waldbewirtschaftung und von unseren Imkern über Bienenhaltung.“
Ein Ort, der glücklich macht
Die erste gemeinsame Obsternte war ein voller Erfolg. „Ich kann es kaum beschreiben, das Pflücken und Sammeln hat uns allen große Freude bereitet. Alle sind mit einem Lächeln nach Hause gegangen“, berichtet er. Für ihn persönlich ist die Wiese längst mehr als ein Projekt. Am Wiesenrand steht eine Bank mit Blick über die Bäume – sein neuer Lieblingsplatz. „Ich setze mich dorthin, schaue über die Wiese und fühle mich wie in einer anderen Welt“, sagt er. „Dann bin ich einfach glücklich.“