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In Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft

Erlebnisbericht von Majbritt Möller: „Ein Abend, der nachklingt“

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers hat das Projekt „In Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft – Gemeinsam gegen Antisemitismus“ ins Leben gerufen, denn Antisemitismus ist eine drängende gesellschaftliche Herausforderung. Die Evangelischen Stiftungen Osnabrück beteiligen sich gemeinsam mit der Andreasgemeinde Wallenhorst mit ausgewählten Aktionen an diesem Projekt. Zum Auftakt machten sich Anfang Mai rund 30 Gemeindeglieder der Andreas- und der Paul-Gerhardt-Gemeinde Haste auf den Weg ins Theater Osnabrück. Dort sahen sie zusammen mit vielen weiteren Theaterbesuchern das Stück „Alfons – jetzt noch deutscherer“. Die 30 vergünstigten Tickets, die die Stiftungen angeboten hatten, waren schnell vergriffen. Eine der glücklichen, die eines unserer vergünstigten Tickets ergattern konnte, war Majbritt Möller von der Andreasgemeinde. Sie hat für uns einen besonderen Abend zusammengefasst:

„Alfons, ein Franzose, der seit mehr als 34 Jahren in Deutschland lebt, erzählte von seiner Einbürgerung und blickte dabei weit in seine Familiengeschichte zurück. Mit viel Humor und Witz schilderte er alltägliche Situationen und die kleinen, oft so treffenden Unterschiede zwischen Deutschen und Franzosen. Das Publikum amüsierte sich, lachte herzlich – und ließ sich gerne mitnehmen. Und dann kam ein Moment, der relativ unerwartet alles veränderte.

Ohne große Ankündigung wurde es still. Ernst. Bewegend. Als Alfons von seinem Urgroßvater und seiner geliebten Grand-Mère erzählte, die beide in Auschwitz waren, brauchte es nicht viele Worte. Die beinahe leere Bühne, das eindringliche Klavierspiel – all das ging unter die Haut. Doch Alfons ließ uns nicht in dieser Schwere und Traurigkeit zurück. Mit leuchtenden Augen und viel Liebe erzählte er weiter – von seinem Leben und immer wieder von seiner Grand-Mère, die Auschwitz überlebt hatte und die ihn in seinem Leben so sehr geprägt hat.

Besonders eindrücklich war für mich ihr Bild von der Taschenlampe: Als sie sich viele Jahre nach dem Krieg mit einem Deutschen anfreundete und dies in ihrem Umfeld erst einmal auf völliges Unverständnis stieß, erzählte sie Alfons von der Taschenlampe, die jeder Mensch bei sich trägt. Und jeder entscheidet selbst, worauf er ihr Licht richtet. Auf das, was Angst macht, auf Probleme und das Negative? Oder bewusst auf das Gute, auf Menschlichkeit, auf Hoffnung? Seine Grand-Mère hatte sich entschieden. Und genau das hat auch diesen Abend geprägt. Es war eindringlich und mahnend, aber nicht belehrend, nicht mit erhobenem Zeigefinger – sondern ehrlich und doch mit einer klaren Botschaft!

Da ist viel, was nachklingt. Viel, was mich bewegt – und auch ein Stück ratlos zurücklässt. Und gleichzeitig gibt es da etwas, das nicht zur Diskussion steht: Es darf sich nicht wiederholen! Wir tragen Verantwortung – für das, worauf wir unseren Blick richten, aber auch für das, was wir zulassen oder eben nicht. Für unser Schweigen genauso wie für unser Handeln. Und genau darin liegt die Chance, dass sich Geschichte nicht wiederholt.“

Foto: Hauke Dittrich