Mut, Matsch und Miteinander
Statt allein zu zocken, gemeinsam Abenteuer erleben. Statt stundenlang auf Social Media zu scrollen, draußen bei Wind und Wetter richtig dreckig werden. Statt Dateien-Download, den eigenen Akku in der Natur aufladen. Aus eigener Kraft und an frischer Luft verwandelt die PEC-Pfadfindergruppe „Osnabrücker Otter“ die Wiese der Evangelischen Stiftungen am Hörner Weg in Hellern regelmäßig in ihr eigenes Abenteuerland. Seit 2022 stellen wir unsere Wiese dieser Gruppe zur Verfügung. Weil es genau zu unserem Stiftungszweck passt, jungen Menschen Naturerlebnisse zu ermöglichen – und das auch noch in einer fröhlichen Gemeinschaft.
Der etwa 20-köpfige „Stamm“ trifft sich jeden Donnerstag auf der Wiese: Um zu schnitzen, Feuer zu machen und zu kochen, ein Klettergerüst zu bauen oder selbstgepflanztes Gemüse zu pflegen. Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 15 Jahren finden sich hier zusammen, Jungen wie Mädchen, erlernen spielerisch zusammen Fertigkeiten, die ihnen ein Leben lang helfen werden. Nebenbei ist viel Raum und Zeit, um eigene Ideen umzusetzen – begleitet von sieben Betreuern, die mitdenken, unterstützen und Anregungen geben. Wir haben mit Andreas Dergham, einem der drei Stammesleiter, gesprochen. Andreas Dergham ist Gemeinschaftspastor der Landeskirchlichen Gemeinschaft Osnabrück e.V. und hat die Gruppe mit ins Leben gerufen.
Andreas Dergham, wie kam es zu dem Namen „Osnabrücker Otter“?
Bei den Pfadfindern ist es üblich, dass Ortsgruppen sich einen Namen geben, der einen Tierbezug hat. Otter schlafen ja im Wasser. Dabei haben sie die schöne Sitte, dass sie sich aneinander festhalten, damit keiner verlorengeht. Das Bild fanden wir sehr schön für Zusammenhalt, sich gegenseitig Halt und Sicherheit zu geben. Genau das möchten wir auch, das entspricht unserem christlichen Menschenbild.
Was genau tun die Pfadfinder auf unserer Wiese am Hörner Weg?
Unsere Aktivitäten sind sehr vielseitig und nicht leicht zusammenzufassen, aber Beispiele machen es vielleicht gut deutlich: Wir haben beispielsweise gemeinsam einen Kochtisch gebaut, auf dem wir jetzt immer zusammen kochen. Das ist ein Tisch aus Stangenholz, den wir mit einer speziellen Pfadfinder-Knotentechnik gebaut haben. Die Verbindungen sind nicht geschraubt oder genagelt, sondern halten allein durch die Knoten. Die Tischplatte ist mit einer dicken Schicht Lehm überzogen, darauf eine Feuerstelle. Darüber ist ein weiteres Gestell angebracht, an dem ein Kochtopf hängt. Über die Einstellung der Höhe des Kochtopfs können wir bestimmen, wie viel Hitze der Topf bekommt. Um den Tisch zu bauen und zu nutzen, mussten wir alle sehr gut mit dem Material umgehen können, müssen schnitzen und die speziellen Knoten können, außerdem mit einfachsten Mitteln Feuer machen. Das sind Skills, die alle hier als erstes üben. Abgesehen davon hatten wir beim Bau sehr viel Spaß mit dem Lehm, wir waren nach der Aktion alle von Kopf bis Fuß damit eingeschmiert.
Das klingt nach echtem Abenteuer, das darüber hinaus lehrreich ist. Was tun Sie noch?
Im Spätsommer hatten wir ein Apfelfest, haben Äpfel verarbeitet, daraus Apfelsaft gemacht. Dann haben wir Kartoffelfest gefeiert. Die Kartoffeln hatten wir selbst gepflanzt, über den Sommer gehegt und gepflegt und wurden schließlich mit Ernte beschenkt, die wir gemeinsam am Lagerfeuer verspeist haben. Wir orientieren unsere Aktivitäten an den Jahreszeiten. Als die Fichten frische Spitzen hatten, haben wir daraus leckeren und gesunden Sirup gekocht. Außerdem haben wir verschiedene Beerensträucher gepflanzt. Oder wir haben Pollenkätzchen gepflückt und frittiert. Auch sehr lecker, übrigens.
Das bedeutet, Sie überlegen sich für alle Treffen ein Programm?
Ja, meistens bereiten wir uns vor. Die Wiese bietet so viele Möglichkeiten, dass uns die Ideen nicht ausgehen. Wir sind den Evangelischen Stiftungen sehr dankbar für diese tolle Möglichkeit und die Unterstützung. Manchmal bringen die Kids auch selbst Vorschläge mit, was sie gern unternehmen möchten. Uns ist wichtig, dass wir diese aufgreifen, gemeinsam überlegen, wie sie umsetzbar sind und dann legen wir los. Manches funktioniert, manches nicht. Aber es geht darum, an seine Idee zu glauben. Und wenn etwas nicht funktioniert, nicht aufzugeben, sondern eine andere Lösung zu finden, sich etwas zuzutrauen und Spaß zu haben, an der gemeinsamen Aktivität in der Natur. Wenn wir Ausflüge mit Übernachtungen machen, planen wir Betreuer diese natürlich sorgfältig. Wir haben beispielsweise ein Frost-Camping veranstaltet und im Winter auf unserer Wiese in Zelten übernachtet. Zu dem Abendprogramm, das wir uns überlegt hatten, kamen wir allerdings gar nicht, weil plötzlich alle absolut begeistert Holz gehackt haben und auch gar nicht mehr aufhören wollten. Das lassen wir dann natürlich geschehen.
Wie verändern sich die Kinder durch diese intensiven Erfahrungen?
Sie werden selbstbewusster, trauen sich mehr zu, werden freier und nervenstärker. Dreckige Schuhe oder kleine Kratzer, was beim Arbeiten schon mal passieren kann, sind für einige Kinder ganz am Anfang noch ein mittelschweres Drama. Nach ein paar Wochen bei uns gehen sie sehr gelassen mit Matsch und Kratzern um.
Wie wird die Wiese außerdem noch genutzt?
Wir möchten sie zum Treffpunkt der Nachbarschaft machen. Unsere wöchentlichen Lagerfeuer haben zum Beispiel bei Männern aus unserer Gemeinde für Begehrlichkeiten gesorgt. Wir wurden angesprochen, ob wir nicht ein Männer-Lagerfeuer veranstalten wollen. Das tun wir jetzt alle zwei Monate. Männer aus der Gemeinde und der Nachbarschaft kochen draußen und tauschen sich aus. Darüber hinaus möchten wir immer wieder Angebote für die Menschen rund um den Hörner Weg schaffen, wie z.B. ein Kartoffelfeuer oder auch einen adventlichen Abend mit Punsch, Liedern und Geschichten. Wir leben die christlichen Werte, das heißt, bei uns sind alle willkommen. Wir sind christliche Pfadfinder. Das heißt für uns, wir möchten Menschen so sehen, wie Gott sie sieht. Wir glauben, dass Gott in jeden von uns viel Gutes gelegt hat, und wollen Menschen die Möglichkeit geben, das zu entdecken. Bei uns sind alle willkommen, das gilt natürlich auch und vor allem für unsere Pfadfindergruppe, die sich gern noch erweitern darf. Wir freuen uns über Jede und Jeden!