Seit mehr als 750 Jahren arbeiten wir zum Wohl der Menschen in der Region Osnabrück und stellen diese in den Mittelpunkt unserer Arbeit. Zweck der Evangelischen Stiftungen Osnabrück ist die Förderung der Jugend- und Altenhilfe, der Erziehung, Volks- und Berufsbildung einschließlich der Studentenhilfe sowie die Unterstützung von Personen, die infolge ihres körperlichen, geistigen oder seelischen Zustandes auf die Hilfe anderer angewiesen sind oder die sich in finanzieller Notlage befinden.
Das Stiftungsvermögen wird äußerst verantwortungsbewusst so angelegt, dass es in seinem Wert erhalten bleibt – und zwar für einen unendlichen Zeitraum. Die Stiftung ist auf dem Gedanken der Unendlichkeit errichtet. So werden nur die Erträge dem guten Zweck zugeführt. Damit unterstützen wir Menschen direkt oder indirekt über Projekte und soziale Einrichtungen. Der Schutz der Schöpfung, von Umwelt und Natur ist uns ebenso ein wichtiges Anliegen. Damit ist Nachhaltigkeit schon in den Grundgedanken unserer Stiftungsarbeit tief verwurzelt.
So lag die Entscheidung nah, unser Tun in Bezug auf Nachhaltigkeit zu überprüfen, dies zu dokumentieren und uns konkreten Zielen zu verpflichten – immer im Sinne unseres Grundsatzes der Nächstenliebe und Menschlichkeit, aber auch in Hinsicht auf die Bewahrung der Stiftungsgrundlage, unseres Vermögens.
Im Jahr 2023 haben wir begonnen, uns auf Basis der Ergebnisse der Wesentlichkeitsanalyse in Anlehnung an die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) und den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen strategisch mit der Thematik auseinanderzusetzen. Wir hinterfragen seitdem noch fokussierter unsere Prozesse und Entscheidungen und überprüfen regelmäßig, wo es weitere Notwendigkeiten gibt, uns noch stärker an Nachhaltigkeitsanforderungen zu orientieren.
Die Wertschöpfung ist nicht immer mit der von privatwirtschaftlichen Unternehmen vergleichbar. So haben wir uns dazu entschieden, einen Stiftungsbericht zur Nachhaltigkeit zu verfassen, der an den geltenden Standards angelehnt ist, aber gleichzeitig unseren Zweck berücksichtigt.
Wie wir als im christlichen Glauben verwurzelte Stiftung Nachhaltigkeit verstehen und leben, das dokumentieren wir in diesem Bericht.
Ausgangspunkt für die vielfältigen Tätigkeiten der Evangelischen Stiftungen Osnabrück ist seit jeher das zentrale Gebot der christlichen Ethik: Nächstenliebe. Nächstenliebe bedeutet, soziale Verantwortung wahrzunehmen sowie für Arme, Bedürftige und Benachteiligte zu sorgen. Das Leitbild der Menschlichkeit spiegelt die christliche Tradition wider und leitet sich aus der Barmherzigkeit Gottes ab.
Wir sind eine rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts und eine kirchliche Stiftung im Sinne des § 20 des Niedersächsischen Stiftungsgesetzes. Wir verfolgen ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige und mildtätige Zwecke. Die Evangelischen Stiftungen werden gemeinsam vom Verwaltungsrat sowie dem von ihm berufenen Vorstand geführt. Der Verwaltungsrat, bestehend aus sechs Kirchenvertretern und sechs Vertretern aus Rat und Verwaltung der Stadt Osnabrück, entscheidet über den Haushalt der Stiftung sowie dessen Grundstücksangelegenheiten, Beteiligungen sowie über die Ausgaben.
Unser Stiftungsvermögen besteht aus Wohn- und Gewerbeimmobilien, Erbbaurechten sowie Landbesitz (Wald, Äcker, Naturschutzflächen). Dieses Vermögen bewahren und verwalten wir, um die Erträge ausschließlich für wohltätige Zwecke einzusetzen. Das Stiftungsvermögen soll in seinem realen Wert erhalten bleiben. Die langfristig angelegte Vermögensstrategie mit einer Vermögensbewirtschaftung, die sowohl ertragsorientiert als auch risikobewusst ausgerichtet ist, sichert der Stiftung die Erfüllung des satzungsgemäßen Auftrags.
Wir setzen unsere Erträge in drei Bereichen ein, der institutionellen, der individuellen und der projektbezogenen Förderung: Viele gemeinnützige Institutionen kämpfen mit stark gestiegenen Kosten, während die öffentlichen Zuschüsse nicht im selben Maße angehoben werden. Damit sie ihr Angebot weiterhin aufrechterhalten können, fördern wir auch Einrichtungen wie beispielsweise das Diakonische Werk mit einem verlässlichen Zuschuss. Auf diese Weise können wir solchen wichtigen Institutionen zu Planungssicherheit verhelfen. Projekte unterstützen wir für einen zeitlich begrenzten Rahmen, sofern sie einen Auftrag im Sinne des Gemeinwesens und unsere Stiftungsgrundsätze erfüllen. Weiterhin helfen wir unbürokratisch, individuell und kurzfristig Menschen, die in Not geraten sind und nicht von den sozialen Netzen aufgefangen werden. Unsere Unterstützung soll nicht dazu dienen, staatliche Aufgaben zu übernehmen.
Nachhaltig in vielen Facetten
Der Anspruch der Nachhaltigkeit ist von unserem Stiftungsauftrag nicht zu trennen. Wir verstehen den Begriff sehr umfassend und in vielfachen Nuancen. Er beinhaltet für uns neben ökologischen Aspekten wie Ressourcen- und Klimaschonung auch einen sozialen Auftrag. Langfristig positiv in die Gesellschaft hineinzuwirken, Menschen im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe und nicht nur für den Moment zu unterstützen und Projekte sowie Einrichtungen zu fördern, die unser Gemeinwesen zukunftsgerichtet in positiver Weise prägen, ist für uns zentral. Wir haben – bei allen Entscheidungen – die Zukunft der Menschen und unserer Gesellschaft im Blick.
Unsere 5 Nachhaltigkeitswerte
Für die Konkretisierung unserer Nachhaltigkeitsstrategie haben wir fünf Handlungsfelder mit je einem übergeordneten Ziel definiert. Für jeden Aspekt wiederum haben wir strategische sowie – wo möglich – messbare Ziele und Maßnahmen beschlossen. Zur Erreichung der Ziele haben wir jeweils Verantwortlichkeiten innerhalb der Stiftung festgelegt.
Die fünf Handlungsfelder unserer Nachhaltigkeitsstrategie:
- Mit-Menschlichkeit gestalten
Wir handeln im sozialen Dialog mit den Menschen und gestalten ein modernes und verlässliches Arbeitsumfeld im vertrauensvollen Miteinander.
- Füreinander da sein
Wir leben und fördern ein lebendiges Gemeinwesen im ehrlichen Miteinander, legen Augenmerk auf die Bedürfnisse unserer Mitmenschen, verwenden die Stiftungsmittel sozialverträglich und bedarfsgerecht, aber auch wirtschaftlich sinnvoll.
- Lebensräume bieten
Wir bieten Mensch und Tier Lebensräume, die ihren Bedürfnissen entsprechen, die Gesundheit fördern und die Natur schützen.
- Natur bewahren
Wir bewahren die uns anvertraute Natur und ermöglichen den Bürgern aus der Region Osnabrück, unsere Wälder zur Erholung zu nutzen. Dem Klimaschutz verpflichtet, fördern wir Biodiversität und schonen Ressourcen.
- Gemeinsame Maßstäbe setzen
Wir agieren unabhängig, dem Stiftungsauftrag verpflichtet, in partnerschaftlichen, möglichst langfristigen Beziehungen und im Austausch mit der Region und ihren sozialen und politischen Akteuren.
Wertschöpfung mit sozialem Zweck
Im Rahmen der freiwilligen Nachhaltigkeits-Überprüfung haben wir unsere Wertschöpfungskette aufgestellt und analysiert. Die Darstellung einer klassischen Wertschöpfungskette von produzierenden Unternehmen wird unserer Stiftungsorganisation und unserem Zweck allerdings in keiner Weise gerecht. Zwar haben auch wir ein Netzwerk, mit und in dem wir gemeinsam arbeiten, allerdings dient jeder Schritt der Kette dazu, unser Vermögen abzusichern und die Erträge in unser soziales Miteinander zu investieren – unsere Wertschöpfung dient anderen und hat den Zweck, das Leben Einzelner und der Gemeinschaft langfristig besser zu machen. Die Analyse unseres Netzwerkes erfordert eine ganzheitliche Betrachtung der Stiftungsorganisation und unserer Motive.
Unsere vorgelagerte Wertschöpfungskette besteht aus sehr heterogenen Institutionen mit unterschiedlichsten Unternehmenszwecken. In der Kette sind Lieferanten von Baumaterialien ebenso zu finden, wie diakonische Einrichtungen. Wir betrachten alle diese Einrichtungen als Partner. Dazu zählen auch Institutionen, die uns Materialien, Werkstoffe, Wissen und Dienstleistungen zur Verfügung stellen. Wir setzen auf langfristige, gut gepflegte Partnerschaften und auf engen, respektvollen und wertschätzenden Austausch mit allen unseren Stakeholdern.
In der nachgelagerten Wertschöpfung sind die Nutzer verortet, die unsere Leistungen in Anspruch nehmen. Unsere Unterstützungsleistungen stellen wir zu gemeinnützigen und mildtätigen Zwecken zur Verfügung, wie es auch in unserer Satzung bzw. unserem Stiftungsauftrag festgeschrieben ist. Im Bereich der Immobilienbewirtschaftung gehören Mieter und Bewohner ebenfalls zur nachgelagerten Wertschöpfungskette.
Klima ist soziales Thema der Zukunft: THG-Bilanz
Die Tätigkeit unserer Partner und deren Auswirkungen auf das Ökosystem sind in unsere THG-Bilanz eingeflossen.
Die Evangelischen Stiftungen Osnabrück haben im Jahr 2022 insgesamt 3.276,9 Tonnen CO2-Äquivalente (CO2e) verursacht. Circa ein Drittel der Emissionen sind in der vorgelagerten Wertschöpfungskette entstanden, zwei Drittel in der nachgelagerten Kette.
Insgesamt entstehen über 99 Prozent der Emissionen durch die Immobilienbewirtschaftung. Am meisten schlägt dabei das Heizen der vermieteten Immobilien zu Buche, denn viele unserer Gebäude insbesondere in der Innenstadt sind älteren Baujahrs. Einige stehen sogar unter Denkmalschutz und können von uns nur nach und nach energetisch saniert werden. Entsprechend ist auch der Stromverbrauch höher als in modernen Neubauten. Eingekaufte Waren und Dienstleistungen verursachen den restlichen, geringsten Teil Treibhausgase.
Da Bäume CO2 binden, betrachten wir sie kompensatorisch neben der Bilanz.
Unsere nachhaltigen Ziele:
- Weitere Reduktion unserer CO2-Emissionen durch Sanierung, ökologisches Bauen, geschäftlicher Alltag
- Erweiterung der Wald- und Naturschutzflächen mit Blick auf Biodiversität
- Öffentlichkeitsarbeit und Agenda Setting, intern wie extern
- Jährliche Aktualisierung der THG-Bilanz zwecks Überprüfung unserer Maßnahmen
Unser anhaltendes Ziel besteht darin, unseren Fokus in allen Tätigkeitsfeldern klar auf Nachhaltigkeit auszurichten und kontinuierlich daraufhin zu überprüfen. Eine regelmäßig durchgeführte THG-Bilanz dient uns als Kontrolle und Nachweis.
Durch die gezielte Unterstützung von Institutionen und Projekten, die soziale Dienste leisten oder sich mit Themen wie Bildung, Chancengleichheit, kulturellem Lernen, Umweltbewusstsein oder anderen gesellschaftlich relevanten Themen befassen, erreichen die Stiftungen eine langfristige positive Veränderung in der Region. Bei der Auswahl der Empfänger wird besonderes Augenmerk darauf gelegt, dass die Förderzwecke eine hohe gesellschaftliche Relevanz haben und nachhaltige Perspektiven bieten. Indem sie Projekte unterstützen, die benachteiligte Gruppen stärken, Räume für Teilhabe schaffen und Vereinsamung vorbeugen, fördern sie sozialen Ausgleich, gesellschaftlichen Zusammenhalt und soziale Gerechtigkeit. Im Rahmen der Individualförderung helfen die Stiftungen in Einzelfällen Personen in Not, für die keine Institutionelle oder staatliche Unterstützung mehr greift.
Insgesamt tragen die Fördermittel dazu bei, eine lebenswerte und gerechte Gesellschaft zu fördern, die auf Solidarität, Nachhaltigkeit und Verantwortung basiert. Im Folgenden möchten wir hier beispielhaft acht Projekte und Institutionen vorstellen, die wir zuletzt gefördert haben, weil sie den Gedanken der Nachhaltigkeit in unterschiedlicher Weise repräsentieren.
Lernhaus Osnabrück
Projekt zum intensiven interkulturellen Austausch und zur Ausbildung interkultureller Kompetenz
Nachhaltiger Effekt: Förderung von Integration und Kommunikation für ein tolerantes und freundschaftliches Miteinander der Kulturen
Unterstützung der Diakonie Osnabrück
Durch einen verlässlichen finanziellen Zuschuss herrscht auf Seiten der Diakonie Osnabrück Planungssicherheit, so dass deren non-profit-Aktivitäten (vielfältige Beratungsangebote, Flüchtlingshilfe, Jugendhilfe, Seelsorge u.v.m.) zuverlässig weitergeführt werden können.
Nachhaltiger Effekt: Menschen, die von den sozialen Diensten und Hilfen profitieren, erfahren Zuverlässigkeit und weitere Menschen können die wichtigen Dienste in Anspruch nehmen
Übernahme der Betriebskosten der Osnabrücker Tafel e.V.
Sicherstellung der Arbeit der Tafel sowie Herstellung von Planungssicherheit für den Betrieb
Nachhaltiger Effekt: Versorgung von sozial schwachen Menschen, Abwendung von Verschwendung von Lebensmitteln.
Familiensprechstunde der Diakonie Osnabrück
Niedrigschwelliges Beratungsangebot in KiTas zur Bewältigung von Schwierigkeiten im Erziehungsalltag
Nachhaltigkeitseffekt: Vor-Ort-Unterstützung von Eltern und Kindern zur Stabilisierung der Familienstruktur
Förderung des DiakonieBISTROS im CaféOASE
Angebot eines günstigen Mittagstischs für bedürftige und einsame Menschen
Nachhaltiger Effekt: Abwendung von Einsamkeit im Stadtteil, Stiftung von Gemeinschaft, Förderung der Nachbarschaftshilfe
Bibliothek macht Sprache: “Write/Draw/Speak IT“
Workshops für Jugendliche im Alter von 11 - 16 Jahren zur kreativen Verarbeitung der Folgen der Pandemie
Nachhaltiger Effekt: Abschwächen der (psychologischen) Folgen der Pandemie auf Kinder und Jugendliche (Einsamkeit, Unsicherheit, Angst), Vermitteln von Kompetenzen zur Verarbeitung
Madame Courage
Stipendium für Studentinnen, die kurz vor dem Hochschulabschluss schwanger und/oder alleinerziehend werden
Nachhaltigkeitseffekt: Alleinerziehenden wird die Erreichung des Studienabschlusses ermöglicht, was wiederum für die Kinder einen besseren Start ins Leben und mehr Teilhabe bedeutet.
Bestandsimmobilien
Ziele und Fakten im Bereich der Gebäudesanierung
Die Häuser und Wohnungen in unserem Besitz werden im Sinne des verantwortungsbewussten Umgangs mit dem uns anvertrauten Stiftungsvermögen vermietet. Wir stellen ca. 600 Erbpachtgrundstücke sowie etwa 130 Mieteinheiten zur Verfügung. Die Erbbaurechtsgrundstücke entsprechen einer Fläche von rund 512.000 Quadratmetern. Der zu Wohnzwecken vermietete Raum umfasst rund 9.000 Quadratmeter, weitere 23.000 Quadratmeter werden von Kindergärten, Altenheimen sowie weiteren Einrichtungen genutzt.
Den von uns längst eingeschlagenen Weg, die Sanierung der Bestandsimmobilien weiter voranzutreiben, hat die vorliegende Treibhausgasbilanz voll bestätigt. Schon seit einigen Jahren legen wir einen Fokus auf die ökologisch verträgliche Sanierung unserer Gebäude, um die THG-Emissionen zu reduzieren. Unsere Arbeitsprozesse werden analysiert und laufend verbessert wie z.B. in der Auswahl der Wertstoffe bei Wohnungssanierungen. Ebenso zielstrebig verfolgen wir unseren Plan, dauerhaft unseren Immobilienbestand von Schadstoffen zu befreien. Unsere energetischen Anstrengungen haben Erfolg. Die Werte in der THG-Bilanz sind rückläufig.
Bei unseren Sanierungs-Projekten beziehen wir schon seit rund zehn Jahren den Nachhaltigkeitsgedanken von Beginn an in unsere Planungen ein. Wieder- und Weiterverwendung von Baumaterialien steht dabei ebenso im Fokus wie energetisch moderne Konzepte. Wir verwenden noch mehr umweltfreundliche und nachhaltige Werkstoffe. Im Bereich der Immobilienbewirtschaftung sind wir bemüht, die THG-Emissionen zu reduzieren. Wo immer es in der Hand der Stiftungen liegt, wird außerdem konsequent auf Öko-Strom umgestellt.
Umgesetzt haben wir dies beispielsweise vor zehn Jahren beim Bau einer Wohneinrichtung für junge Menschen in Hellern, bei der Sanierung eines großen Wohnblocks in der Altstadt oder zuletzt bei der Kindertagesstätte in Bohmte, die wir in Holzbauweise errichtet und letztes Jahr an den Träger und die Kinder übergeben konnten. Die neuesten Sanierungs-Projekte, in denen wir den Nachhaltigkeitsgedanken von Beginn an in unsere Planungen einbezogen haben, sind die Kindertagesstätte und Familienbildungsstätte in den alten Kasernengebäuden an der Anna-Gastvogel-Straße.
Der Umbau des ehemaligen Altenwohnheims am Ledenhof basiert ebenfalls auf dem Nachhaltigkeitsgedanken. Es wird vorhandene Bausubstanz genutzt und wesentliche Materialien können wiederverwertet werden. Darüber hinaus wird das bisherige konventionelle Wärmesystem durch moderne Technik ausgetauscht. Die neuen Energiestandards können in vollem Umfang eingehalten werden. Weil der ursprünglich geplante Neubau aufgrund steigender Baukosten zu Mietpreisen geführt hätte, die mit unserem Stiftungsgedanken nicht vereinbar gewesen wären, wird das Gebäude saniert.
Energieversorgung in Bestandsimmobilien
In Bezug auf Energie setzen wir uns zum Ziel, den Energieverbrauch und die Energiequelle im Immobilienbestand innerhalb von zehn Jahren um zehn Prozent zu reduzieren. Das Ziel, in den gemeinschaftlich genutzten Flächen der Bestandsimmobilien zu 100 Prozent Ökostrom einzusetzen, haben wir bereits erreicht. Dies wollen wir dauerhaft beibehalten und auf weitere Bereiche ausweiten.
Unsere nachhaltigen Ziele Bestandsimmobilien:
- Ökologisch orientierte Sanierungen
- Wiederverwertung von Materialien
- Einsparung von Energie in fremdvermieteten Objekten als auch in der Verwaltung
- Reduzierung unserer CO2-Emmissionen durch bewusstes Heizen
- Herstellung von Barrierefreiheit durch Sanierungen
Neubau
Nachhaltiges Quartierskonzept: Grüner Garten
Das Wohnquartier in Voxtrup namens Grüner Garten, gerade in Entstehung begriffen, ist von Beginn an auf Nachhaltigkeit ausgelegt. Durch faire Baulandpreise ist gewährleistet, dass die Familien auf den Flächen der Stiftung ein langfristiges Zuhause finden. Wir setzen dort ein äußerst innovatives Konzept um, das dem Quartiersgedanken folgt. Die ökologisch-nachhaltige Ausrichtung macht das Wohnquartier zukunftsfähig für nachfolgende Generationen. Der Grüne Garten basiert auf den Prinzipien Effizienz, Suffizienz und Konsistenz. Mit der Effizienzstrategie verfolgen wir das Ziel, mit einem möglichst begrenzten stofflichen Ressourceneinsatz einem minimierten Energieverbrauch zu erreichen. Der Suffizienz-Gedanke befasst sich mit Selbstbegrenzung und die beanspruchte Wohn- und Infrastrukturfläche pro Kopf. Die zur Verfügung stehende Fläche wird maximal genutzt und gleichzeitig werden Wohnformen für kleine und große Haushalte bereitgestellt. Holzbauweise, Energieversorgung über Blockheizkraftwerk und Nahwärmenetz, Photovoltaik, Eisspeicher und Solarluftkollektor, Regenwasserkonzept und mitgedachtes Mobilitätskonzept, Brauchwasser-Wärmepumpen mit Pufferspeichern sind die Elemente, auf denen das ökologische Konzept basiert.
Unsere nachhaltigen Ziele Neubauten
- Ökologische Bauweise realisieren
- Innovative Energie- und Müllkonzepte (wo möglich) als Grundlage
- Förderung des Gemeinwesens (Begegnungsorte) in Konzepten berücksichtigen
Flächen
Die Wälder, Wiesen, Acker- und Naturschutzflächen, die sich in unserem Besitz befinden und ohnehin schon gehegt und gepflegt werden, erhalten mit der Treibhausgas-Bilanz eine zusätzliche Bedeutung. Der Naturschutz und damit die Bewahrung der Schöpfung stehen im Fokus der Bestandspflege. Außerdem sollten die Wälder den Bürgern zur Erholung und Einkehr zur Verfügung stehen.
Zur Förderung der Biodiversität stellen wir Bienenstöcke und Nisthilfen auf oder bauen und pflegen Hecken, Totholzinseln und Habitat-Bäume und sensibilisieren Anrainer. Wo es möglich ist, entsiegeln wir unsere Grundstücke. Eines unserer Grundstücke wurde bereits vollständig entsiegelt und zu einer Blühwiese umgebaut.
Wälder
In unserem Besitz sind insgesamt etwa 450 Hektar Waldfläche. Holz ist nachwachsender Rohstoff und damit eine wichtige Ressource. Als natürlicher CO2-Speicher und Sauerstoffproduzent dient Wald dem Klimaschutz. Der Wald dient ebenfalls dazu, Menschen Naturerlebnisse zu ermöglichen. Nicht zuletzt ermöglichen zwei Waldkindergärten ein langfristiges Naturerlebnis durch alle Jahreszeiten, wodurch die Kinder frühzeitig die Schöpfung als wertvoll respektieren. Unser Ziel ist, langfristig die Anzahl und Vielfalt der Bäume zu erhöhen.
Die Wälder der Evangelischen Stiftungen werden nach den Kriterien des naturnahen Waldbaus fachgerecht bewirtschaftet und sind wichtiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Wir sorgen aktiv für Naturverjüngung und legen biologisch wertvolle Benjeshecken an. Da künftig mit zunehmender Trockenheit und Stürmen zu rechnen ist, wird ein anpassungsfähiger und widerstandsfähiger Mischwald angestrebt. Deshalb wird nun vermehrt auf klimataugliche Sorten zurückgegriffen (wie Traubeneichen, Speierlinge, Elsbeeren, Weißtannen und Zedern), was sich ebenfalls positiv auf die Biodiversität auswirkt.
Brandschutzkonzept für die Wälder
In Zusammenhang mit der großen Bedeutung von Wäldern für die CO2-Reduzierung haben wir uns dazu entschlossen, einen Gutachter zu beauftragen, die Wälder hinsichtlich des Brandschutzes zu überprüfen. Denn auch wenn wir bislang verschont wurden, müssen wir im Zuge der Klimaveränderungen vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Das Ziel: möglichen Schaden von Spaziergängern, Anwohnern, den dort lebenden Tieren und natürlich unserem Baumbestand abwenden. Diplom-Forstwirt Steffen Hartig hat ein Brandschutzgutachten zu unseren Waldflächen im Stadtgebiet, im südlichen Landkreis Osnabrück und im Kreis Steinfurt erstellt. Die gute Nachricht: Unsere Wälder sind gut aufgestellt, größeres Risikopotential ist nicht vorhanden. Im Gutachten finden sich nicht nur Maßnahmenvorschläge, wie wir das Risiko eines Feuers reduzieren können, sondern vor allem, wie wir schwerwiegende Folgen vermeiden.
„Es ist die waldbauliche Zielsetzung erkennbar, gemischte und strukturierte Waldbestände mit einer hohen Resilienz und Anpassungsfähigkeit an die klimatischen Veränderungen zu erziehen.“
- Steffen Hartig
Im Bereich Forstbewirtschaftung arbeiten wir gemeinsam mit unseren Partnern (Forstunternehmen, Forstämtern und Forstwirtschaftskammern) zusammen, um die von uns bewirtschafteten Wald- und Naturschutzflächen zu bewahren. Wir produzieren ausschließlich zertifiziertes Holz. Die Bewirtschaftung von Wald- und Nutzflächen erfolgt mit Blick auf vielfältige und sinnhafte Auswahl an Bäumen und Pflanzen zur Steigerung der ökologischen Vielfalt. Schon seit 1999 ist unsere nachhaltige Waldbewirtschaftung PEFC-zertifiziert. Das Zertifizierungssystem PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) ist ein internationaler „Wald-TÜV“, der Nachhaltigkeit bestätigt. Die Einhaltung der Standards wird jährlich überprüft.
Naturschutzflächen
Weiterhin gehören Naturschutzflächen zu unserem Stiftungsvermögen, wie beispielsweise eine fast 100 Jahre alte Streuobstwiese. Auf 5,8 Hektar wachsen rund 350 Obstbäume, darunter über 40 verschiedene alte und regionale Obstsorten. Streuobstwiesen dienen zahlreichen Pflanzen, Insekten, Vögeln oder Igeln als Refugium. Totholzhecken oder Nisthilfen bieten zusätzliche Behausungen. Das Obst wird zu Saft verarbeitet, der an Kindergärten, Kindertagesstätten, Seniorenheime und Kirchengemeinden in der Region gespendet wird. Zuletzt waren es 4500 Liter.
Der Schneitelbuchenwald in unserem Besitz ist ein Zeugnis einer historischen Art der Bewirtschaftung. Von ihnen gibt es nur noch wenige in Deutschland. Heute beherbergen die Bäume mit ihren knorrigen Formen in ihren Höhlen, Spalten und Rissen viele seltene Tiere wie Höhlenbrüter, Käfer, Fledermäuse und Siebenschläfer.
Im Dezember 2020 wurden die Evangelischen Stiftungen für die Streuobstwiesen mit dem Naturschutzpreis der Stadt Osnabrück und der Haarmann-Stiftung für Umwelt und Natur ausgezeichnet.
Kleingärten
Die sieben Flächen mit einer Größe von insgesamt über 36 Hektar, die wir im städtischen Gebiet an Kleingartenvereine verpachten, haben ebenfalls nachhaltige Wirkung. Sie zählen in der Stadt zu den wichtigsten CO2-Speichern, bieten Flora und Fauna Lebensraum und leisten einen wichtigen Beitrag zur Umweltwahrnehmung der Kinder. Auf der anderen Seite wird dort die Selbstversorgungsmentalität nicht nur Kindern und Jugendlichen nahegebracht, sondern reduziert auch den Fußabdruck der Garteninhaber, die mehr Gemüse und Obst aus dem eigenen Garten verzehren.
Unsere nachhaltigen Ziele Flächenentwicklung
- Fortsetzung der Entwicklung der Wälder zu klimastabilen Mischwäldern
- Erweiterung eines artenreichen Baumbestands
- Pflege der Naturschutzflächen und verstärkte Nutzung für Projekte (Naturpädagogik)
- Festhalten an den Kleingärten zur Förderung der Selbstversorgung im Stadtgebiet
Aber wir betrachten Nachhaltigkeit nicht nur als eine Frage der großen Schritte, der großen Projekte, Baumaßnahmen und Konzepte, sondern wir nehmen uns alle alltäglich in die Pflicht. Vermeintlich kleine Handlungen spielen eine entscheidende Rolle für die Nachhaltigkeit, sei es der Wasserverbrauch, der Verbrauch von Papier oder das Heizverhalten. Auch in unserem kleinen Team achten wir darauf, Ressourcen und Emissionen einzusparen. Alle wirken aktiv mit. Denn durch bewusstes Handeln im Alltag, wie Müllvermeidung oder die Wahl langlebiger Produkte, kann jeder Einzelne zur Schonung der Erde beitragen. Diese kleinen Schritte fördern nicht nur den Umweltschutz, sondern inspirieren auch andere, nachhaltiger zu leben, wodurch eine Veränderung auf gesellschaftlicher Ebene angestoßen wird.
Interne Kommunikation
Eine werteorientierte Führungs- sowie Dialogkultur und soziales Miteinander sind für uns als Stiftung intern von großer Bedeutung. Dies spiegelt sich in fairen Arbeitsbedingungen, Einbindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und selbstverständlich der Beachtung aller rechtlichen Grundlagen wider. Für ein gutes Miteinander ist es unabdingbar, allen Menschen die gleichen Chancen zu bieten – ungeachtet von körperlichen, geistigen oder subjektiven Merkmalen. Chancengerechtigkeit bedeutet, Unterschiedlichkeiten so zu fördern, dass die Menschen ihr volles Potential entfalten können. Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ebenso.
Gleichzeitig werden die Mitarbeiteridentifikation mit der Organisation sowie die individuelle Kompetenzentwicklung gefördert. Konkretes Ziel ist es, unser Weiterbildungskonzept auszubauen. Hierzu haben wir zunächst Schlüsseltätigkeiten für jeden Arbeitsplatz inklusive jeweiliger Vertretungen definiert und vorhandene sowie benötigte Kompetenzen ermittelt, um unsere Mitarbeitenden gemäß ihres Anforderungsprofils zu schulen.
Externe Kommunikation
Durch öffentlichkeitswirksame Maßnahmen wie Pressearbeit, die Herausgabe eines Jahresberichts, die Erstellung von Treibhausgasbilanz und Brandschutzgutachten oder durch das Pflegen unserer Website tragen wir unsere Botschaften zum Thema Nachhaltigkeit und dessen Verständnis in die Gesellschaft hinein.
Darüber hinaus sind unser Lieferantenmanagement, Arbeitszeiten, Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben sowie Ausbildung und Kompetenzentwicklung bei unseren Partnern und eigenen Tätigkeiten wesentliche Nachhaltigkeitsaspekte. Bei unseren Partnern gelten zudem auch die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte der Gemeinschaften als wesentlich.
Vernetzung im Wirkungsumfeld
Das Wirken der Evangelischen Stiftungen hängt eng mit dem Standort Osnabrück zusammen. Unsere Verwaltungseinheit hat ihren Sitz in Osnabrück. Unsere Gebäude und Liegenschaften sowie Wald- und Naturflächen, die unser wesentliches Stiftungsvermögens darstellen, befinden sich in der Region Osnabrück und im Nahbereich des benachbarten Nordrhein-Westfalens. Ebenso haben die durch Stiftungsmittel geförderten Projekte immer einen regionalen Bezug.
Die Evangelischen Stiftungen Osnabrück sind Mitglied in mehreren Organisationen wie z.B. dem Bundesverband Deutscher Stiftungen, dem Diakonischen Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen, dem Diakonischen Dienstgeberverband Niedersachsen, Haus und Grund Osnabrück und dem Deutschen Erbbaurechtsverband. Die Zusammenarbeit und Einbeziehung von Experten in verschieden Bereichen wird situativ genutzt. So können die Stiftungen von individuellem Fachwissen bei der Umsetzung verschiedener Projekte oder der Bewältigung von Herausforderungen profitieren. Aber nicht nur die Stiftungen profitieren vom Fachwissen der hinzugezogenen Spezialisten, sondern unsere Partner erhalten im Rahmen der Zusammenarbeit Einblick in unsere christlichen Motive und unseren Anspruch an Gemeinwesen.
Compliance
Im Sinne unseres Stiftungszwecks kooperieren wir mit den wichtigen Akteuren aus Politik und Gesellschaft, um Nöte und Bedarfe schnell zu erkennen. Trotz enger Kooperation ist politische Neutralität und Parteienunabhängigkeit stets die Basis unseres Handelns. Hauptverantwortlich für das Thema Compliance ist der Vorstand, der auch für die Umsetzung und Überprüfung verantwortlich ist. Eine integer handelnde Institution zu sein, ist Anspruch unseres Nachhaltigkeitsprogramms.
Transparenz
Im Hinblick auf Geschäftsbeziehungen ist es unser strategisches Ziel, partnerschaftlich, fair und transparent zu agieren. Hierfür erfüllen wir jährlich unseren eigenen Transparenzstandard, veröffentlichen unseren Jahresabschluss auf freiwilliger Basis auf der Webseite, verfassen einen Jahresrückblick und schaffen alle Voraussetzungen zur Weiterführung des ITZ-Siegels (Initiative Transparent Zivilgesellschaft).
Die Evangelischen Stiftungen Osnabrück haben sich im Jahre 2023 zur Implementierung eines Nachhaltigkeitsmanagementsystems entschlossen. Mit Hilfe eines externen Beraters wurden alle erforderlichen Datenerhebungen und Informationserfassungen vorgenommen sowie anschließend entsprechende Auswertungen erarbeitet. Aufgrund der Größe der Organisation sind die Stiftungen noch im Aufbau konkreter Prozessstrukturierungen in diesem operativen Bereich. Die Mitarbeitenden wurden in der Erarbeitungsphase und werden künftig auch in der Implementierungsphase einbezogen. Das Stiftungs-Team arbeitet kontinuierlich an der Weiterentwicklung des Nachhaltigkeitsmanagementsystems und perspektivisch am Aufbau und Einführung eines Reportings für den Verwaltungsrat. Aufgrund der Größe unserer Organisation, und da wir noch im Aufbau unseres Nachhaltigkeitsmanagements sind, haben wir bislang noch keine festen Strukturen im operativen Bereich. Es findet jedoch ein regelmäßiges Reporting im Rahmen der Verwaltungsratssitzungen statt.
Der Vorstand legt dem Verwaltungsrat regelmäßig einen Bericht vor, in dem über das Nachhaltigkeitsmanagement in allen Bereichen Rechenschaft abgelegt wird. Die Stiftungen unterliegen darüber hinaus weiteren Aufsichtsmechanismen, wie Zuwendungsprüfungen und freiwillige Wirtschaftsprüfung. Über interne Kontrollmechanismen und Datenmanagement-Praktiken kontrollieren die Stiftungen ihre Geschäftsprozesse und stellen sie permanent in den Kontext der geltenden Unternehmenswerte.
Unsere nachhaltigen Ziele im Stiftungsalltag
- Kommunikation eigener Aktivitäten zur Schärfung des Bewusstseins für CO2-Emissionen intern im Team wie extern bei Partnern
- Einsparung von Ressourcen (Wasser, Energie, Heizenergie, Material, Mobilität)
- Fokus auf Nachhaltigkeit durch Reporting und Berichterstattung, Selbstverpflichtung
- Umsetzung unseres Weiterbildungskonzeptes
- Auf- und Ausbau eines Nachhaltigkeitsmanagementsystems