Gute Projekte brauchen gute Seelen
Sie packen mit an, organisieren, sprechen Mut zu, trösten, muntern mit einem Lächeln auf. Sie reichen Mitmenschen in schwierigen Lebenssituationen ohne viel Aufhebens eine helfende Hand. Sie geben ihre Zeit, ihre Energie und ihr Herz, um das Leben von anderen besser zu machen. Ehrenamtliche Helfer sind die stillen Helden unserer Gesellschaft. Sie erinnern uns daran, dass Taten zählen. Dass Reden nicht ausreicht, um das Leben von Menschen zu verändern. Ehrenamtliche füllen die Grundsätze der Nächstenliebe und Nachbarschaftshilfe mit Leben.
Viele der wunderbaren Projekte, die wir fördern, wären ohne die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer kaum möglich. Mehr als Grund genug, sie einmal ins Licht zu rücken. Wir möchten hier in unregelmäßiger Reihenfolge Ehrenamtliche zu Wort kommen lassen.
Lothar Hübner
Lothar Hübner, seit Kurzem in Rente, investiert wöchentlich bis zu 8 Stunden in die Unterstützung seiner Mitmenschen. Er hilft im Digitaltreff an der Bremer Straße und ist zudem im Begegnungscafé der Katholischen Kirchengemeinde Heilig Kreuz im Schinkel tätig. Zusammenzuhalten und sich gegenseitig zu unterstützen - das ist sein Motiv, welches er auf sein christliches Elternhaus zurückführt.
Einrichtung: Digitaltreff im Sozialen Laden an der Bremer Straße 228
Träger: Gemeinwesendiakonie Osnabrück
Herr Hübner, was war Ihr bisher schönstes Erlebnis?
Kürzlich konnte ich einer alleinstehenden älteren Dame, deren Mann verstorben war, dabei helfen, wieder ihre Lieblingssendungen im Fernsehen zu schauen. Ihr alter Receiver hat die Umstellung auf HD nicht mitgemacht. Ich hatte von ihr gehört und bin hingefahren. In meinem Fundus zu Hause hatte ich noch einen ungenutzten Receiver, den habe ich ihr angeschlossen und ihre Lieblingssender neu abgespeichert. Sie hat sich so unglaublich gefreut. Dass ich mit relativ einfachen Mitteln so große Freude bereiten kann, ist ein sehr schönes Gefühl. Aber solche Erlebnisse haben wir öfter, deswegen ist ein Ehrenamt ja auch so erfüllend.
Wie kamen Sie zu Ihrer Tätigkeit?
Über meine Frau. Sie hatte in der Kirchengemeinde ab 2015 ehrenamtlich Sprachkurse für Menschen mit Migrationshintergrund angeboten. Dabei ist ihr aufgefallen, dass reiner Unterricht nicht ausreicht, dass man auch in lockerer Atmosphäre das Sprechen üben muss. Also haben wir mit anderen Gemeindemitgliedern das Begegnungscafé gegründet, das einmal im Monat geöffnet hat. Meist kommen zwischen 30 und 40 Personen, wir trinken Kaffee, backen Stockbrot oder essen Plätzchen und unterhalten uns. Junge Familien, mit und ohne Migrationshintergrund, aus unterschiedlichen Ländern, ältere Menschen aus der Nachbarschaft, es geht sehr offen, munter und freundlich zu. Wir helfen bei behördlichen Formalitäten oder anderen Schwierigkeiten. Und im Digitalcafé unterstütze ich, seit Februar 2024. Ich war in der IT tätig, kann meine Kompetenz dort optimal einbringen und Hilfestellung leisten.
Was ist Ihr Motiv, sich ehrenamtlich zu engagieren?
Ich bin in einer christlichen Familie aufgewachsen, es wurde mir als Selbstverständlichkeit vermittelt, dass man zusammenhält und sich gegenseitig unterstützt. Vielleicht bin ich später auch mal in der Situation, dass ich mich über Hilfe freue. Aber ich finde es insbesondere in unserer materialistischen Welt umso wichtiger, Zeit und Zuwendung zu verschenken – und zwar ohne dass man fragt, wie viel Geld bekomme ich dafür?
Was lernen Sie aus Ihrem Ehrenamt oder was nehmen Sie für sich mit?
In meiner Berufstätigkeit in der IT ging es immer darum, schnellstmöglich die Lösung für ein technisches Problem zu finden, da hatte ich immer Zeitdruck. Im Digital-Café suche ich natürlich immer noch nach einer Lösung. Aber mir ist klar geworden, dass es wichtiger ist, mich nicht nur der Technik, sondern vor allem den Menschen zu widmen, mich auf sie einzulassen. Es entstehen oft Gespräche, die gar nichts mehr mit dem ursprünglichen Handy- oder Tablet-Problem zu tun haben und dafür nehme ich mir Zeit. Ein gutes, offenes und interessiertes Gespräch ist wertvoll an sich, das technische Problem steht gar nicht im Vordergrund. Das habe ich im Digital-Café gelernt.