Streuobstwiese

Auch wertvolle Naturschutzflächen gehören zum Vermögen der Evangelischen Stiftungen. Hier stehen weniger Nutzung und Ertrag, sondern mehr der Naturschutz und die Bewahrung der Schöpfung im Fokus der Bewirtschaftung.

Ein besonderes Kleinod ist eine Streuobstwiese in Osnabrück Sutthausen, die auf eine bald hundertjährige Geschichte zurückblickt. Seit 2007 wird dieser Naturschatz von den Evangelischen Stiftungen als ihr Eigentum geschützt und gepflegt. Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa und sind deshalb besonders erhaltenswert. Auf der über 51 ha großen Streuobstwiese der Stiftungen stehen 350 Obstbäume. Darunter viele alte Sorten, die vielerorts längst in Vergessenheit geraten sind – mehr als 40 verschiedene alte Apfelsorten, Kirsch-, Pflaumen- Birnen und Walnussbäume wachsen hier. Auch bei den regelmäßigen Neuanpflanzungen wird großer Wert auf Sortenvielfalt und regionale Herkunft gelegt. Die alten Obstsorten sind Teil unseres kulturellen Erbes. Über Jahrhunderte wurden Obstsorten herangezogen, die dem Klima und Boden unserer Heimat besonders gut angepasst waren. An diesen alten Sorten hängen lange Traditionen bäuerlicher Ess- und Kochgewohnheiten und des Vorratswirtschaftens. Darüber hinaus ist der Erhalt der alten Sorten ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der genetischen Vielfalt der Nutzpflanzen.

Jeden Herbst wird das Obst geerntet und der daraus gewonnene Saft wird kostenlos an Kindergärten, Seniorenheime und Kirchengemeinden verteilt.

„Streuobstwiese"

Die Streuobstwiese liefert nicht nur leckeres Obst. Darüber hinaus bietet sie Nahrung und Behausung für viele Tierarten: Während der Obstblüte werden zahlreiche Insekten angelockt: Bienen, Hummeln und Schmetterlinge – darunter der seltene Kaisermantel – Wespen, Schlupfwespen und holzbewohnende Käfer sorgen für die Bestäubung, Dieser Insektenreichtum lockt wiederum viele andere Tiere wie Igel, Fledermäuse und insektenfressende Vögel. Sogar der Waldkauz und der seltene Steinkauz bewohnen Bruthöhlen in den alten Bäumen. Als wichtiges naturpädagogisches Angebot wurden mit benachbarten Kindergärten und Schulen zusätzliche Totholzhecken und Nisthilfen installiert.

„Streuobstwiese"

Seit 2015 bewirtschaftet und pflegt der Pächter Jörg Langen die Streuobstwiese der Stiftungen. Als fleißige Landschaftspfleger sorgen seine Schafe für die regelmäßige Mahd zwischen den Bäumen und verhindern das Aufkommen von Wildsträuchern. Mit der Beweidung wird die Wiese ausgemagert, was zur Artenvielfalt bei den Pflanzen beiträgt und gleichzeitig sorgt der Kot der Schafe für eine Düngung der Bäume. Das ständige Trampeln der Schafe trägt außerdem dazu bei, Wühlmäuse zu vergrämen, das niedrige Gras hilft den Käuzen bei der Jagd nach Mäusen und nicht zuletzt wird so auch die Obsternte erleichtert.

„Streuobstwiese"

Im Dezember 2020 wurden die Evangelischen Stiftungen für mit dem Naturschutzpreis der Stadt Osnabrück und der Haarmann-Stiftung für Umwelt und Natur ausgezeichnet.