Projekte

Die Erträge aus dem Stiftungskapital der Evangelischen Stiftungen kommen unmittelbar bedürftigen Menschen in der Region Osnabrück zugute: durch die Förderung der Jugend- und Altenhilfe, die Förderung der Erziehung, der Volks- und Berufsbildung einschließlich der Studierendenhilfe sowie die Unterstützung von Personen, die infolge ihrer körperlichen, geistigen oder seelischen Verfassung auf die Hilfe anderer angewiesen sind oder sich in einer finanziellen Notlage befinden.

Hier finden Sie eine Auswahl aktueller Projekte, die von den Evangelischen Stiftungen Osnabrück gefördert werden.

Kontaktstelle Inklusion

Inklusion bedeutet, alle Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind – egal ob mit oder ohne Behinderung, ob weiß oder schwarz, ob groß oder klein. Um Inklusion zu ermöglichen, müssen Barrieren abgebaut werden und öffentliche Räume so gestaltet sein, dass sie für alle zugänglich sind. Der Kirchenkreisverband Osnabrück fördert eine inklusive Gesellschaft durch das Engagement der Mitarbeiterinnen der „Kontaktstelle Inklusion“. Dort finden Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen Unterstützung, und in den Kirchengemeinden werden Maßnahmen vorangebracht, die Inklusion fördern.

Im Jahr 2006 wurde Inklusion in der Behindertenrechtskonvention als Menschenrecht festgeschrieben. Deutschland hat diese Vereinbarung im darauf folgenden Jahr unterzeichnet. Nicht nur deshalb ist das Thema für Diakonie und Kirche wichtig: Der Inklusionsgedanke spielt auch im christlichen Menschenbild eine ganz zentrale Rolle. Inklusion in der Gesellschaft zu ermöglichen und das Leben in möglichst vielen Bereichen für alle Menschen barrierefrei zu gestalten, bedarf aber eines großen und auf Nachhaltigkeit ausgelegten Einsatzes.

Die „Kontaktstelle Inklusion“ nimmt sich dieser Aufgabe mit zwei Mitarbeiterinnen für die Kirchenkreise Osnabrück und Melle-Georgsmarienhütte an. Dazu gestalten sie Gottesdienste und den Konfirmandenunterricht auf eine inklusive Weise. Sie organisieren Projekte und Veranstaltungen, um so Verständnis für das Thema zu schaffen, und sie beraten Menschen mit Behinderung wie auch ihre Angehörigen und leisten Seelsorge. Darüber hinaus haben sie ein Netzwerk geschaffen, in dem haupt- und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer zusammenkommen können, die um das Thema Inklusion und Barrierefreiheit im Kirchenkreis Osnabrück bemüht sind.

Die „Kontaktstelle Inklusion“ wird vom evangelisch-lutherischen Kirchenkreisverband Osnabrück Stadt und Landkreis getragen. Die Evangelischen Stiftungen Osnabrück fördern die wichtige Anlaufstelle für insgesamt fünf Jahre mit jährlich 37.000 Euro.

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Hilfe und Halt – gemeindenahe Begegnung und Unterstützung

Mit dem Diakonieprojekt „Hilfe und Halt“ fördern die Evangelischen Stiftungen Osnabrück vielfältige Hilfsangebote für Senioren und Menschen in schwierigen Lebenslagen. Neben einem Beratungsangebot im Diakoniebüro stehen konkrete Hilfeleistungen im Mittelpunkt der Arbeit der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Sie besuchen und unterstützen Menschen, die aus Krankheits- oder Altersgründen den Alltag nicht mehr allein bewältigen können.

Dabei setzt „Hilfe und Halt“ vor allem auf nachhaltige Unterstützungsangebote für alternde Menschen und ihre individuellen Bedürfnisse. Zwei diakonische Mitarbeiterinnen besuchen wöchentlich etwa 20 ältere und kranke Menschen, um sie bei unterschiedlichen Tätigkeiten in ihrem Alltag zu unterstützen. Sie helfen beispielsweise bei der Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten, kümmern sich um den Kontakt mit Ärzten und gehen bei der Körperpflege und Tätigkeiten im Haushalt zur Hand.

Im Diakoniebüro berät eine Sozialarbeiterin bedürftige Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen. Unter anderem nimmt sie sich Menschen mit finanziellen Problemen an. So prüft sie etwa, ob die Hilfesuchenden Anspruch auf Unterstützung durch staatliche Stellen haben und bietet bei Bedarf an, zur besseren Übersicht der Finanzen eine Kostenübersicht für den Haushalt zu erstellen. Ihre Unterstützung geht aber noch darüber hinaus: Auch bei sonstigen Fragen der Alltagsbewältigung und des Zusammenlebens steht die Mitarbeiterin beratend und unterstützend bei.

Zudem schaffen die Mitarbeiterinnen gemeinsam mit ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern unterschiedliche Begegnungsmöglichkeiten: Bei einem monatlich stattfindenden „Frühstück im Foyer“ kommen Menschen aller Altersschichten zusammen, die regelmäßig die Beratungsangebote des Diakoniebüros in Anspruch nehmen. Ein „Nachmittag der Begegnung“ findet an jedem dritten Dienstag im Monat statt und bringt speziell die älteren Mitglieder der Gemeinde bei Kaffee, Tee und Kuchen zusammen. Diesen älteren Gemeindemitglieder bietet „Hilfe und Halt“ darüber hinaus noch ein besonderes Angebot: den „Geburtstagskaffee“ – eine Geburtstagsfeier, bei der Jubilare ab 80 Jahren aus der Gemeinde ihren Ehrentag in der Gemeinschaft nachfeiern können.

Jedes Kind braucht einen Engel & Hilfen im Alter

Im Projekt „Jedes Kind braucht einen Engel & Hilfen im Alter“ der evangelisch-lutherischen Petrusgemeinde Gretesch-Lüstringen-Darum arbeiten über 60 ehrenamtliche Menschen für Kinder, Familien und Senioren in Notlagen. Dabei setzen sie darauf, die Lebenssituation von benachteiligten Kindern und Familien nachhaltig zu verbessern und die Teilhabe von Seniorinnen und Senioren am gesellschaftlichen Leben zu unterstützen und zu verbessern.

Das Angebot des Projekts setzt sich aus vier wichtigen Teilen zusammen: einer Hausaufgabenbetreuung für Kinder im Grundschulalter, einem regelmäßig stattfindenden Kinderferienprogramm, einem sozialen Laden, der leistbare Produkte anbietet, sowie der Unterstützung von Seniorinnen und Senioren im neu eingeführten Teilprojekt „Hilfen im Alter“.

Im Mittelpunkt der Angebote für Grundschulkinder steht das Thema Bildungsgerechtigkeit. Seit 2008 unterstützen rund 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Kinder der Waldschule Lüstringen und der Bergschule bei ihren Schulaufgaben. Die Aufgabe ist äußerst wichtig, da Bildung der Schlüssel zu einer guten Zukunft ist – und in der Regel sind es Kinder aus sozial schwachen Familien oder Familien mit Migrationshintergrund, die hier am stärksten benachteiligt sind. Der Erfolg der Hausaufgabenbetreuung spricht deutlich für die Notwendigkeit des Hilfsangebots: Die Deutschkenntnisse der Nicht-Muttersprachler verbesserten sich in kürzester Zeit ebenso wie die schulischen Leistungen der teilnehmenden Kinder insgesamt.

Auch die Kinderferienbetreuung wurde seit 2009 zu einem wichtigen Teil von „Jedes Kind braucht einen Engel“: Das Programm wird in allen Oster-, Sommer- und Herbstferien von rund 25 ehrenamtlichen Jugendlichen und dem Diakon organisiert und ausgerichtet. In den jährlich insgesamt sechs Ferienwochen betreuen sie vormittags Kinder aus sozial benachteiligten Familien und sorgen dafür, dass die Jungen und Mädchen spannende Ferienerlebnisse sammeln, selbst wenn sie mit ihren Eltern nicht in Urlaub fahren können. Für sozial benachteiligte Familien ist das Programm daher ein äußerst wichtiges Angebot – ganz besonders für Alleinerziehende oder doppelt berufstätige Eltern.

Im Jahr 2011 wurde das Projekt „Jedes Kind braucht einen Engel“ zudem durch einen „Sozialen Laden“ erweitert. In dem gemeinnützigen Second-Hand-Geschäft finden Kinder und Erwachsene von Kleidung bis hin zu Spielsachen die unterschiedlichsten Artikel. Familien mit geringem Einkommen bekommen bis zu 65 Prozent Rabatt – zu normalen Preisen darf jeder einkaufen.

Im „Sozialen Laden“ treffen schließlich die Projektangebote für Kinder und Familien auf die Unterstützung von Seniorinnen und Senioren. Im Rahmen der „Hilfen im Alter“ können dort auch bedürftige ältere Menschen günstige Kleidung kaufen oder finden im „Kaffee-Treff“ die Gesellschaft anderer Ladenbesucher und der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Letztere stehen den älteren Menschen auch für unterschiedlichste Beratungen zur Verfügung und helfen ihnen beispielsweise bei sozialen Fragen weiter.

Das Projekt „Jedes Kind braucht einen Engel & Hilfen im Alter“ ist vielfältig vernetzt. Die Partner reichen von Schulen und Kitas über die Diakonie und Kirchensozialarbeit bis hin zu den Sozialdiensten der Stadt Osnabrück. Als einer von 18 Pionierstandorten gehört das Projekt seit 2015 zum Bundesprogramm „Kirche findet Stadt“. Von den Evangelischen Stiftungen Osnabrück wird das Projekt mit derzeit 15.000 Euro pro Jahr gefördert.

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Koordination der Osnabrücker Familienzentren

In den vergangenen Jahren sind an unterschiedlichen Orten in der Stadt und im Landkreis Osnabrück sechs Familienzentren entstanden. Für die ortsansässigen Familien sind sie wichtige Anlaufstellen, denn sie bieten Eltern und Kindern unkomplizierte Unterstützung bei Problemen und umfassende Angebote, die die Familien in ihrem Alltag unterstützen. Die Evangelischen Stiftungen Osnabrück fördern daher ein Projekt zur Koordination der Zentren untereinander und zu ihrer Vernetzung mit Einrichtungen aus dem Sozial- und Bildungswesen.

Familienzentren sind Orte, an denen Eltern und ihre Kinder Unterstützung finden. Insbesondere Eltern haben dort die Gelegenheit, ihre Erziehungskompetenzen durch unterschiedliche Weiterbildungsangebote auszubauen, im Gespräch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern individuelle Hilfe bei Problemen aller Art zu finden oder bei Elterntreffs anderen Familien zu begegnen und sich auszutauschen – ein Angebot, das in der heutigen Zeit, in der sich Familienformen und Rollenbilder konstant ändern und weiterentwickeln, immer wichtiger wird und großen Zuspruch findet.

Die Vernetzung dieser Zentren untereinander und die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen sind besonders wichtig, um die Angebote der Zentren weiter zu verbessern und auszubauen. Die Evangelischen Stiftungen Osnabrück fördern daher die Arbeit einer Sozialarbeiterin, die die Zentren koordiniert, neue Ideen entwickelt und Verbindungen zu sozialen Einrichtungen und Akteuren aus dem Bildungswesen aufbaut und vertieft.

Nachhaltige Hilfen

Probleme zu bewältigen, ist immer herausfordernd. Für Menschen aus sozial schwächeren Milieus und in schwierigen Lebenslagen ist es oft jedoch besonders schwer. Die vom Diakonischen Werk in Stadt und Landkreis Osnabrück angebotene Unterstützung „Nachhaltige Hilfen“ bietet Hilfesuchenden ein über das Angebot der allgemeinen Sozialberatung hinausgehendes Beratungskonzept an, um für immer wieder auftretende wirtschaftliche Probleme Hilfesuchender individuelle Lösungen zu finden. Die „Nachhaltigen Hilfen“ sollen die Rat suchenden Personen befähigen, bestehende Schwierigkeiten in ihrer Haushaltsplanung und -führung zu bewältigen und mit knappen Mitteln einen Haushalt auskömmlich zu führen.

Das Projekt „Nachhaltige Hilfen“ wurde 2007 ins Leben gerufen, da die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der allgemeinen Sozialberatung feststellen mussten, dass ihre Klienten immer öfter Unterstützung im Bereich der finanziellen Planung benötigten. Insbesondere die Pauschalierung von Unterstützungen in besonderen Lebenslagen, die früher nach Bedürftigkeit bewilligt wurden und nach Einführung von Hartz IV aus dem festgesetzten Grundbedarf angespart werden müssen, stellen besondere Anforderungen an finanziell schlechter gestellte Personen. Dabei wurde in der Sozialberatung die Beobachtung gemacht, dass bestimmte Kenntnisse der Haushaltsplanung und -führung heutzutage zwischen den Generationen nicht mehr so gut weitergegeben werden – eine Entwicklung, die sich besonders schwerwiegend auf Menschen aus gesellschaftlich schwächeren Schichten auswirkt.

Die Arbeit der Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter ist nicht nur deshalb herausfordernd. Denn über finanzielle Schwierigkeiten zu sprechen, ist schwierig und oft mit Scham verbunden. Die Hilfesuchenden müssen vertrauliche Nachweise vorlegen und teilweise eigene Versäumnisse eingestehen. Die Beraterinnen und Berater müssen daher zunächst Vertrauen gewinnen und ihr Gegenüber stets ernst nehmen. Sie müssen die Ursachen der Probleme ausfindig machen und den Menschen nachhaltige Lösungsstrategien vermitteln, aber auch bei unangemessenen Forderungen auf Grenzen hinweisen.

Um diese Ziele zu erreichen, verfolgt das Projekt „Nachhaltige Hilfen“ einen klar strukturierten Ansatz: Um eine Übersicht über die finanzielle Situation zu bekommen, erstellen die Beraterinnen und Berater zunächst gemeinsam mit ihren Klienten einen Haushaltsplan. So werden etwa die Einkünfte den Ausgaben gegenübergestellt, um herauszufinden, wo Einsparungen möglich sind. Auf diese Weise können in der gemeinsamen Beratung oft auch Probleme erkannt und ein Lösungsansatz gefunden werden, die weit über das Finanzielle hinausgehen.

So sind die „Nachhaltigen Hilfen“ eine Art Hilfe zur Selbsthilfe: Im Beratungsangebot lernen bedürftige Menschen, mit ihrem Einkommen auszukommen, und erlangen auf diese Weise wieder eine größere Kontrolle über ihr Leben. Die Evangelischen Stiftungen Osnabrück fördern das Projekt seit 2007.

Neue Wege in die Familienbildung

Die Evangelische Familien-Bildungsstätte ist ein fester Bestandteil der Bildungslandschaft in Osnabrück. Bereits seit 1955 unterstützen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Osnabrücker Familien durch ein vielfältiges Angebot – ein Angebot, das immer wieder an die Anforderungen der Zeit angepasst wird. Um eine bestmögliche Ausrichtung auf die Bedürfnisse heutiger Familien zu gewährleisten, wurde das Projekt „Neue Wege in der Familienbildung“ ins Leben gerufen.

Unsere Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in vielerlei Hinsicht verändert: Familien bekommen nicht mehr so viele Kinder wie früher, Erwerbstätigkeit ist oft für beide Elternteile unerlässlich und Elternschaft hat sich als solche zu nur noch einer Option unter vielen Lebensentwürfen entwickelt. Dies alles wirkt sich natürlich auch auf die Rahmenbedingungen der Kindheit aus: Familie und Beruf zu vereinen, stellt viele Eltern vor große Herausforderungen, denn gleichzeitig sind Erwartungen von außen und eigene Ansprüche an die Elternschaft gestiegen. Zudem stellt auch der demografische Wandel Familien vor neue Herausforderungen, denn unsere alternde Gesellschaft bringt auch die Frage nach der Pflege älterer Angehöriger mit sich.

Das Hauptziel des Projekts „Neue Wege in die Familienbildung“ ist es, das Angebot der Familien-Bildungsstätte für diese Herausforderungen zu rüsten. Für junge Familien mit kleinen Kindern erweitert die Evangelische Familien-Bildungsstätte daher ihr Programm konstant um Angebote, die die Erziehungskompetenz der Eltern stärken, die Gemeinschaft mit anderen Familien in der Umgebung fördern und dabei insbesondere darauf achten, Familien mit Migrationshintergrund sowie geflüchtete oder bildungsferne Familien zu unterstützen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen. Darüber hinaus zählen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und das Zusammenleben der Generationen zu den Schwerpunkten des Angebots der Familien-Bildungsstätte.

Bei der programmatischen Ausrichtung setzt das Projekt „Neue Wege in die Familienbildung“ auf eine Vernetzung in unterschiedliche Richtungen: Dazu gehören der Kontakt zu den evangelischen Kindertagesstätten und Familienzentren in Stadt und Landkreis, um jungen Familien das Programm gut zugänglich zu machen. Wichtig ist aber vor allem auch die Vernetzung im evangelischen Bereich (mit Gemeinden, Jugendhilfe, Diakonischem Werk, Altenhilfe) – denn so können die für eine bestmögliche Unterstützung der Familien vereint und die Verbindung zwischen der pädagogischen mit der diakonischen Dimension zusammengebracht werden.

Die Evangelischen Stiftungen Osnabrück fördern das Projekt gemeinsam mit der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover und dem Evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Osnabrück mit derzeit 58.000 Euro pro Jahr.

Café Mandela – Beratung und Betreuung von Flüchtlingen im Rosenplatzquartier

Bis Ende 2015 wurden rund 1000 Flüchtlinge den Unterkünften im Stadtgebiet Osnabrück zugewiesen, viele weitere kamen seither hinzu. Ein großer Teil von ihnen wurde im Rosenplatzquartier untergebracht, einem Stadtteil, in dem es viele soziale Probleme gibt. Erfolgreiche Integration ist dort besonders wichtig. Die Evangelischen Stiftungen Osnabrück fördern daher das Projekt „Café Mandela“: Die 2016 eingerichtete Beratungsstelle wurde zu einer wichtigen Anlaufstelle für Flüchtlinge umfunktioniert und bietet ein umfassendes Betreuungsangebot.

In diesem Projekt arbeiten vier fest angestellte Sozialarbeiter in Teilzeit, die mit der Unterstützung von ehrenamtlichen Bürgerinnen und Bürgern die Integration von Flüchtlingen und Migranten in den Stadtteil und die Stadt Osnabrück unterstützen und fördern. Dabei decken sie ein breites Spektrum von Hilfsmaßnahmen ab: Sie beraten und unterstützen, vermitteln Sprach- und Kulturkompetenzen und schaffen Begegnungsmöglichkeiten zwischen alteingesessenen Bewohnerinnen und Bewohnern des Stadtteils und den neu angekommenen Flüchtlingen und Migranten.

Die Beratung und Unterstützung der Flüchtlinge und Migranten ist eine der wichtigsten Aufgaben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im „Café Mandela“. Sie helfen den geflüchteten Menschen im Umgang mit den Behörden und unterstützen sie beispielsweise bei aufenthalts- und sozialrechtlichen Fragen oder bei der Integration in den Arbeitsmarkt. Sie bieten den Besuchern sozialpädagogische und psychosoziale Beratungsangebote an und kümmern sich um Menschen mit traumatischen Erlebnissen und Erfahrungen. Im Vordergrund steht dabei stets die Stärkung des Selbsthilfepotenzials der Gäste. Eine weitere Aufgabe der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter liegt in der Vermittlung unterschiedlicher Bildungsangebote: von der Förderung des Spracherwerbs bis hin zur Vermittlung staatsbürgerlicher Kenntnisse.

Neben diesem Fokus auf Flüchtlinge und Migranten zielen die integrativen Maßnahmen des Projekts auch auf die anderen Menschen im Stadtteil ab. Denn um Integration möglich zu machen, ist Akzeptanz und Toleranz zwischen den Bevölkerungsgruppen ausschlaggebend. Dazu schafft das „Café Mandela“ Begegnungsmöglichkeiten: Freiwillige, alteingesessene Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Stadtteil werden in die Hilfsangebote eingebunden und kommen beispielsweise zu Sport- oder Kulturveranstaltungen mit den geflüchteten Menschen zusammen.

Darüber hinaus ist das Projekt auch in die weiteren Strukturen der Flüchtlingshilfe in Osnabrück sehr gut eingebunden und wird von unterschiedlichen Kooperationspartnern unterstützt. Darunter sind beispielsweise die Stadt und die Koordinierungsstelle Flüchtlingsarbeit, das Jugendzentrum und die Rosenplatzschule, die evangelische und katholische Kirchengemeinde sowie die örtlichen Moscheevereine. Eine aktive Öffentlichkeitsarbeit durch Informationsveranstaltungen oder Veranstaltungen, die den Kontakt zu den Menschen im Stadtteil fördern, schafft Transparenz und trägt weiter zum verständnisvollen Miteinander im Stadtteil Rosenplatzquartier bei.

Das Projekt „Café Mandela“ startete am 1. März 2016 und ist vorerst auf zwei Jahre angelegt. Es wird von den Evangelischen Stiftungen mit 100.000 Euro pro Jahr gefördert. Ob das Projekt fortgeführt wird, entscheiden die Organisatoren im Herbst 2017.

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Dauerausstellung „Rosenstraße 76“

Häusliche Gewalt findet im Verborgenen statt, versteckt hinter den verschlossenen und vermeintlich sicheren Türen des eigenen Heims. Für die Opfer – meist Frauen und Kinder – ist es äußerst schwierig, Straftaten anzuzeigen. Zu hoch ist die Schwelle, gegen die eigenen Angehörigen Anzeige zu erstatten. Die Dauerausstellung „Rosenstraße 76“ veranschaulicht die Formen und Dimensionen häuslicher Gewalt und soll Opfern dabei helfen, ihr Schweigen zu brechen. Die Evangelischen Stiftungen Osnabrück fördern das Projekt.

Knapp 1000 Fälle häuslicher Gewalt werden allein in Stadt und Landkreis Osnabrück jährlich zur Anzeige gebracht, in Deutschland flüchten jährlich rund 40.000 Frauen aus ihrem Zuhause. Die Dunkelziffer solcher Straftaten wird noch weitaus höher eingeschätzt und ist im Vergleich zu anderen Straftaten besonders hoch. Unter den Opfern sind hauptsächlich Kinder und Frauen jeder Nationalität, Gesellschaftsschicht und Kultur. Die Formen der Gewalt, denen sie in ihrem eigenen Zuhause ausgesetzt sind, umfassen ein breites Spektrum und reichen von psychischen bis hin zu körperlichen Straftaten. Gleichzeitig ist nach außen hin in vielen Fällen wenig erkennbar: Gepflegte Vorgärten und unauffällige Fassaden erwecken oft den Anschein eines intakten Heims und verschleiern so die Straftaten.

Seit März 2016 macht die interaktive Dauerausstellung „Rosenstraße 76“ die unterschiedlichen Formen häuslicher Gewalt anschaulich und sensibilisiert die Besucherinnen und Besucher für die immer noch häufig tabuisierte Problematik. Die Ausstellungsbesucher erkunden eine nachgestellte Wohnung, die auf den ersten Blick ganz gewöhnlich erscheint. Erst der Blick auf unterschiedliche Einrichtungsgegenstände lässt sie hinter die Fassade der „vertrauten vier Wände“ blicken und einen von außen unbemerkbaren Ort des Schreckens entdecken: Von der gemütlichen Wohnzimmercouch aus können sich die Besucherinnen und Besucher Filme anschauen, am Telefon gewährt der Anrufbeantworter Einblicke, und auch der CD-Player im Schlafzimmer veranschaulicht die Dramen, die hinter verschlossenen Türen stattgefunden haben.

Obwohl die Ausstellung natürlich auch wütend, sprachlos und betroffen macht, entlässt sie die Besucherinnen und Besucher nicht in die Depression oder Niedergeschlagenheit. Denn sie zeigt auch Chancen und Wege auf, wie sich Opfer und Zeugen häuslicher Gewalt verhalten können: Plakate und Flyer zu Hilfs- und Beratungsangeboten stellen Strategien gegen häusliche Gewalt vor und zeigen, wie ein jeder zur Verbesserung der Situation beitragen kann.

Die „Rosenstraße 76“ wurde ursprünglich als Wanderausstellung konzipiert. Bereits 2011 wurde sie in Osnabrück gezeigt, zog dort binnen zwölf Tagen über 800 Besucher an und verschaffte der Problematik eine große Aufmerksamkeit. Daher sprachen sich Polizei und Beratungsstellen damals dafür aus, die Ausstellung längerfristig in Osnabrück zu installieren. Auf Initiative des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Osnabrück wurde das Projekt in Trägerschaft des Diakonischen Werks, Fachzentrums „faust – Fachzentrum gegen Gewalt & für Täterarbeit und Opferschutz“ initiiert. Kooperationspartner sind die BISS-Beratungsstellen in Stadt und Landkreis Osnabrück sowie die Polizeiinspektion Osnabrück. Im März 2016 wurde die Dauerausstellung in den Berufsbildenden Schulen der Stadt Osnabrück am Pottgraben 4 eröffnet. Die Evangelischen Stiftungen Osnabrück fördern das Projekt für fünf Jahre mit knapp 200.000 Euro.

» Weitere Informationen zur Dauerausstellung „Rosenstraße 76“

Familiensprechstunde

Die 2011 eingeführte Familiensprechstunde in den evangelischen Kindertagesstätten ist inzwischen ein fest etabliertes, niedrigschwelliges Angebot, das von vielen Eltern wie auch den Mitarbeiterninnen und Mitarbeitern der Kitas gern in Anspruch genommen wird. Geschulte Familienberaterinnen und -berater stehen Eltern mit Kindern bis zu sieben Jahren für Fragen und Probleme aus dem Erziehungsalltag zur Verfügung. Die Familiensprechstunde ist ein Angebot der Evangelischen Jugendhilfe und der Evangelischen Familien-Bildungsstätte Osnabrück.

Das Angebot der Familiensprechstunde umfasst ein breites Aufgabenspektrum: Zum einen beraten die geschulten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Familiensprechstunde die Eltern sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von insgesamt 25 evangelischen Kindertagesstätten in Osnabrück. Dabei unterstützen sie Familien bei Fragen zum Verhalten des Kindes und seiner Entwicklung, aber auch zum Zusammenleben in der Familie. Dieses Angebot ist kostenlos, und die Beraterinnen und Berater unterliegen der Schweigepflicht.

Familienstärkende Veranstaltungen ergänzen die Beratungstätigkeiten der Familiensprechstunde: Weiterbildungsangebote für Eltern aus den teilnehmenden Kindertagesstätten und Krippen finden beispielsweise in Form thematischer Elternabende statt. Dort gehen die Beraterinnen und Berater auf konkrete Fragen, Wünsche und Anregungen aus der Beratungsarbeit ein.

Zudem wurde das niedersächsische Landesprojekt „Lotsen“ in das Angebot der Familiensprechstunde aufgenommen. Mit diesem Angebot unterstützen die Beraterinnen und Berater insbesondere Familien mit Migrationshintergrund – und das nicht nur beratend, sondern auch in ganz praktischen Belangen ihres Alltags: Sie begleiten die Familien beispielsweise bei Behördengängen und helfen ihnen bei der Beantragung von Kinder- oder Wohngeld, beim Kontakt zu Schulen, bei der Vermittlung von Dolmetschern oder bei Arztbesuchen.

Die Familiensprechstunde wurde von 2012 bis 2015 von der Universität Osnabrück wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Die Evangelischen Stiftungen Osnabrück fördern das Projekt mit jährlich mehr als 80.000 Euro bis zum Jahr 2017.

Weitere Informationen zur Familiensprechstunde:

» Die „Familiensprechstunde“ den Seiten der Ev. Jugendhilfe

» Die „Familiensprechstunde“ den Seiten der Ev. Familien-Bildungsstätte

Warme Platte

Noch bis zum 31. März hat der Katholische Verein für Soziale Dienste (SKM) in Osnabrück eine leerstehende Villa in Innenstadtnähe zur „warmen Platte“ umfunktioniert. Das bedeutet von abends 17 Uhr bis morgens 9 Uhr können Obdachlose im Wohnhaus übernachten. Das Haus gehört den Evangelischen Stiftungen, die es im Frühjahr abreißen werden, um einen Neubau mit Studentenwohnungen zu errichten.

Ortstermin mit Johannes Andrews, dem Geschäftsführer der Evangelischen Stiftungen Osnabrück: Es ist kurz vor 9 Uhr morgens, sonnig, aber noch recht kalt. Zwei Männer verlassen gerade das Haus, grüßen freundlich und verabschieden sich von Frank Loges. Er betreut bereits zum zweiten Mal für den SKM als „Hausmeister“, wie er sich selbst nennt, die warme Platte vor Ort. Abends wird er das Haus wieder für die acht bis zehn Obdachlose öffnen, die der SKM derzeit im dort aufnimmt.

Drinnen erinnern begehbare Kleiderschränke, ein muschelförmiges Waschbecken, mehrere Bäder und ein großes Einbauregal im Wohnzimmer an die ehemaligen Bewohner und ihren für vergangene Zeiten eleganten und gehobenen Einrichtungsstil. Neu hinzugekommen sind unter anderem einfache Holzbetten, viele Bettdecken, improvisierte Vorhänge als Raumteiler und ein altes, weißes Kunstledersofa. Die Wand über dem ehemaligen Kamin haben die aktuellen Bewohner mit verschiedenen Wandkalendern, einem Müllabfuhrplan und einem gehäkelten Topflappen mit Rosenmuster verschönert. Neben den Schlafplätzen stehen Schuhe ordentlich nebeneinander gereiht. Das Gepäck ist sorgfältig verstaut.

„Das Haus ist picobello sauber, aber es spiegelt auch ein wenig Wehmut wieder“, stellte Andrews nach einem Rundgang fest. Ihn hatte sehr berührt, wie die Nutzer der „warmen Platte“ die Wohnzimmerwand dekoriert hatten: „So wie ihre eigene“, bemerkte Andrews, der sich zugleich über den „guten Geist“ im Haus während der Zwischennutzung freute. Zuvor hatte Andrews mit Loges sowie den zuständigen SKM-Fachdienstleitern Thomas Kater und Heinz Hermann Flint gesprochen. Andrews Fazit: „Die machen super Arbeit, es macht Spaß ihnen zuzuhören, ich bin total beeindruckt.“

Beim Besuch von Johannes Andrews (rechts), dem Geschäftsführer der Evangelischen Stiftungen, im Haus der Stiftungen, das derzeit vom Katholische Verein für Soziale Dienste (SKM) genutzt wird, stellten SKM-Fachdienstleiter Thomas Kater , „Hausmeister“ Frank Loges und SKM-Fachdienstleiter Heinz Hermann Flint (von links) fest: „Das hier ist wirklich eine Luxus-Platte.“

Auch die Männer vom SKM waren mit der diesjährigen „warmen Platte“ mehr wie zufrieden: Die leerstehende Villa sei ein Glücksgriff, da sie nahe der vom SKM betriebenen Tageswohnung und der Fachberatungsstelle für wohnungslose Menschen liege. Somit seien Wege beispielsweise für Beratungen kurz und die Logistik einfach. Dabei sah es im Herbst nicht so aus, als ob es überhaupt eine „warme Platte“ geben könnte. Deshalb startete Kater damals einen Aufruf über die Medien. „Wir haben das gelesen, und die Kolleginnen haben sofort geschaut, ob wir ein passendes Gebäude bereit stellen können“, berichtete Andrews, der kurz darauf dem SKM ein leer stehendes Haus anbieten konnte.

Die „warme Platte“ bietet den Obdachlosen nicht nur einen Schlafplatz. „Unser eigentliches Ziel ist es, auch Kontakte zu den Leuten zu knüpfen“, so Flint, für den es zunächst immer darauf ankommt, zuzuhören und Verständnis für die Menschen zu haben. „Die haben alle ihre Päckchen zu tragen“, erklärte Flint. Für neue Gäste der „warmen Platte“ gilt dennoch: Die erste Nacht ist eine Bewährungsprobe. Läuft die gut, können weitere folgen.

Die Abende im Haus der „warmen Platte“ gleichen denen in den meisten anderen Wohnungen und Häusern: „Wir bieten zwar keine Verpflegung an, aber viele bringen ein Butterbrot mit oder machen sich einen Eintopf warm“, so Loges, der hinzu fügte: „Und als es so kalt war und draußen schneite, haben sich alle gefreut, dass sie hier drinnen nach dem Duschen in Jogginghose und Puschen sitzen konnten.“ Flint ergänzte: „Am schönsten waren die leuchtenden Augen der Leute, wenn sie abends im Warmen gemeinsam vor der Glotze sitzen konnten – wie eine große Familie.“

„Seit Weihnachten haben hier 15 unterschiedliche Männer geschlafen, und wir hatten 550 Übernachtungen“, berichtete Flint, der sich freute: „Zwei der Männer sind inzwischen in einer Übergangswohnung von uns eingezogen.“ Die Unterbringung dort ist für sie möglicherweise ein erster Schritt raus aus der Obdachlosigkeit. Doch der wird immer schwieriger: „Der normale Wohnungsmarkt ist für unsere Leute komplett tot“, stellte Kater fest, der zudem wusste: Derzeit seien in Osnabrück 175 Personen ohne festen Wohnsitz. Davon seien rund 30 als obdachlos im eigentlichen Sinne zu bezeichnen, das heißt, sie leben auf der Straße und schlafen beispielsweise in Garten- oder Abbruchhäusern.